Der Schwarze Mandarin by Heinz G. Konsalik

Der Schwarze Mandarin by Heinz G. Konsalik

Author:Heinz G. Konsalik [Konsalik, Heinz G.]
Language: deu
Format: epub
Tags: Belletristik
Publisher: Hestia Verlag
Published: 2013-06-21T16:00:00+00:00


»Das sagte ich schon. Gute Nacht, Bai Juan Fa.«

Rathenow verließ den ›Schwarzen Mandarin‹. Er war der einzige Gast. Der nette Kellner brachte ihm den versprochenen Nachtisch, eine große Schale gemischtes Eis mit Sahne. Obenauf steckte ein Schirmchen aus gefaltetem Papier.

»Wann kommst du wieder?« fragte der Kellner, der sich ihm gegenüber setzte.

»Dienstag.«

Er setzte sich noch einmal und trank noch eine Tasse grünen Tee hinterher und hielt sie so, wie er es eben gelernt hatte: Er legte Daumen und Zeigefinger um den oberen Rand und berührte mit dem Mittelfinger den Boden der Tasse. Der Kellner lachte laut, nahm ihm die Tasse aus der Hand und tat einen Schluck. Dann gab er sie zurück.

»Du kennst das auch?« fragte Rathenow.

»Wir alle von 14K müssen es können. Aber du machst es noch ziemlich ungeschickt.«

»Ich hatte heute meine erste Stunde. Es wird schon werden …«

Unten im Keller saßen Min Ju und Aisin Ninglin noch zusammen. »Ich mag ihn nicht«, sagte Ninglin zum wiederholten Male. »Es ist ein Fehler, Weiße als Cho Hais einzusetzen.«

»Die Idee kommt aus der Zentrale in Hongkong. Wer will an der Weisheit des Großen Rates der Großen Brüder zweifeln?«

»Auch in Hongkong kann man sich irren.«

»Bai Juan Fa ist ein Experiment. Hat es Erfolg, werden wir die ›Zahlesel‹ nur noch durch unauffällige Weiße besuchen lassen. Schlägt das Experiment fehl – Ninglin, ich habe dir gesagt, dann gehört Bai Juan Fa dir. Es darf keine Spur mehr von ihm geben. Es muß sein, als habe es ihn überhaupt nicht gegeben.«

»Und Wang Liyun?«

Min hob die Schultern und schüttelte den Kopf. »Völlig uninteressant. Sie wird weiter als Reiseleiterin die ›Langnasen‹ herumführen und den heimlich Geliebten, Rathenow, vergessen. Sie wird einen Chinesen heiraten und ein Kind kriegen – was kümmert das uns noch?«

»Sie weiß zuviel!«

»Was weiß sie? Gar nichts!«

»Sie soll nicht verschwinden wie Bai Juan Fa?«

»Nein! Warum?«

»Sie soll doch für jeden Fehler Rathenows bestraft werden …«

»Das habe ich ihm gesagt, und er glaubt es, weil er ein verliebter Blinder ist. Kewei in Kunming wird sich hüten, sie auch nur in den Hintern zu zwicken. Ihr Vater, Professor Wang Biao, ist ein Jugendfreund des Parteisekretärs von Yunnan! Weißt du, was das bedeutet?«

»Kewei würde zum gejagten Wild.«

»Und das ist nicht nötig. Solange Bai Juan Fa daran glaubt, daß wir Wang Liyun unter unseren ›Schutz‹ gestellt haben, wird er gehorchen wie ein Büffel vor einem Pflug. Er glaubt uns alles.«

Rathenow fuhr sofort zurück nach Grünwald. Dort setzte er sich an die Schreibmaschine und tippte, was er von den Verhaltensweisen und Erkennungszeichen behalten hatte. Den beschriebenen Bogen schloß er in seinen Wandtresor ein. Er war so wertvoll, als lägen in dem Fach eine Million Mark.

In dieser Nacht schlief er ruhiger und träumte auch nicht. Er hatte sich endgültig damit abgefunden, ein Triade zu sein – aber gleichzeitig auch ein Maulwurf, der sich in die Geheimnisse des Bundes eingrub. Geheimnisse, die kein Weißer kannte und auch nie enträtseln konnte. Er war der erste und einzige, den die Triaden bei sich aufnahmen – weil sie ihn zum willenlosen Sklaven machen konnten, wenn sie nur ein Wort sagten: Liyun …

Um ein Uhr klingelte das Telefon.



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